Plastische Wesseling

Interview im Deutschlandfunk über PIP

SPRECHSTUNDE
10.01.2012 · 10:10 Uhr

Hinter mangelhaften Brustimplantaten steckt „kriminelle Absicht“Implantat-Ausweis einer PIP-Patientin (Bild: picture alliance / dpa -  Jean François Frey)

Chefarzt empfiehlt Entfernung entsprechender Implantate

Dirk Richter im Gespräch mit Martin Winkelheide

Die Brustimplantate der Firma PIP bestehen aus unreinem Industriesilikon. Dieses sei in krimineller Absicht in die Implantate abgefüllt worden, sagt der plastische Chirurg Dirk Richter. Das Silikon könne, auch ohne einzureißen, eine heftige Entzündungsreaktion im Körper der Patientinnen auslösen.

Martin Winkelheide:Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (kurz: BfArM) hat am vergangenen Freitag eine Vorsichtsmaßnahme empfohlen: Frauen mit Silikonkissen der französischen Firma PIP beziehungsweise Rofil-Brustimplantaten sollten sich diese vorsorglich entfernen lassen.
Dr. Dirk Richter, er ist Chefarzt der Abteilung Plastische Chirurgie am Dreifaltigkeitskrankenhaus in Wesseling, Mitglied mehrerer Fachverbände, unter anderem auch im Vorstand des Weltverbandes der Ästhetisch-Plastischen Chirurgen und er ist dort Vorsitzender des Komitees für Patientensicherheit. Schönen guten Tag Herr Dr. Richter.

Dirk Richter: Guten Tag, Herr Winkelheide!

Winkelheide: Nun ist bei einen wahrscheinlich relativ viel los in der Klinik im Moment, oder?

Richter: Das kann man sagen. Es sind sehr viele verunsicherte Patienten, die natürlich wissen wollen, wie sie sich zu verhalten haben und unseren Rat suchen.

Winkelheide: Zuerst war ja die Empfehlung für Frauen noch, sie sollten sich ihre Brustimplantate auf mögliche Rissbildungen hin untersuchen lassen. Jetzt heißt es, als Vorsichtsmaßnahme entfernen lassen. Wie erklärt sich dieser Unterschied den das BfArM jetzt macht?

Richter: Die offiziellen Empfehlungen aus Frankreich waren zunächst im Jahre 2010 abzuwarten und zu sehen. Und jetzt haben die Erfahrungen gezeigt, dass eben gerade dieses kritische Schwitzen des Silikons, also das Heraustreten durch eine intakte Hülle in die Körperhüllen, das gefährliche und das häufige, das größere Risiko bei diesen Implantaten darstellt. Und das kann man eben nicht durch diagnostische Maßnahmen, also den Kernspin oder durch den Ultraschall feststellen. Deswegen ist man umgelenkt und wir haben im Vorstand frühzeitig die Empfehlung herausgegeben, dass die Implantate heraus sollen.

Winkelheide: Eine ganz praktische Frage: Wissen Frauen eigentlich, von welcher Firma ihre Implantate stammen? Also, was sie da eingesetzt bekommen haben, vor der Klinik, in der sie operiert wurden?

Richter: Grundsätzlich sollten die Patientinnen einen Implantate-Pass bekommen haben, in dem eben neben dem Implantat auch die Größe und die Lage des Implantats eingetragen ist. Ansonsten sind diese Daten bei dem damalig implantierenden Chirurgen abzufragen.

Winkelheide: Für wie dringend halten Sie denn jetzt die Entfernungen?

Richter: Patientinnen ohne Symptome, die gar keine Beschwerden haben, die können glaube ich in aller Ruhe zum Arzt gehen und brauchen keine Panik zu haben. Patienten mit Beschwerden oder schon geschwollenen Lymphknoten sollten das nicht bagatellisieren und für einen banalen Infekt halten. Hier besteht dann schon der dringende Verdacht, dass dieses Schwitzen vorliegt oder dass eben ein Riss in der Kapsel ohne erkennbare Ursache aufgetreten ist.

Das vollständige Gespräch mit Dirk Richter können Sie mindestens bis zum 10.06.2012 als MP3-Audio [http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/10/dlf_20120110_1035_bc969b89.mp3]in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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