Plastische Wesseling

Brust-Implantate sollen kontrolliert werden

Von Margret Klose, 13.01.12, 07:00h – Kölner Rundschau
Brustimplantate

WESSELING – In der Abteilung der plastischen Chirurgie im Dreifaltigkeitskrankenhaus in Wesseling laufen zurzeit die Telefondrähte heiß. Besorgte Patientinnen rufen an und wollen wissen, ob ihre Brustimplantate zu jenen zählen, die mit Industriesilikon gefüllt und minderwertig verarbeitet sind. Diese wurden ab dem Jahr 2001 von ausländischen Herstellern auf dem Markt angeboten.
Seine Patientinnen kann Dr. Dirk Richter, Chefarzt der plastischen Chirurgie, jedoch in soweit beruhigen, dass keine mit Industriesilikon verseuchten Implantate im Dreifaltigkeitskrankenhaus eingesetzt wurden. „Wir haben aufgrund der seit 2001 sehr niedrigen Preise der entsprechenden Hersteller entschieden, keine so billigen Implantate einzukaufen“, sagte er.

Die letzten Implantate der betreffenden Hersteller habe man 1999 bezogen. „Restbestände könnten demnach noch bis 2001 implantiert worden sein, sie sind aber mit Sicherheit nicht aus der Herstellungsserie 2001″, so Richter.

Doch um ganz sicherzugehen, sei man zurzeit dabei, sämtliche Patienten-Unterlagen ganz genau zu überprüfen. „Wir gehen auf die Patientinnen zu, schreiben sie an und laden sie zu Kontrolluntersuchungen ein“, erklärt er.

Auch auf der Homepage des Krankenhauses können sich die Frauen informieren. Dort werden auch diejenigen Patientinnen aufgerufen, sich zu melden, die vor 2001 in der plastischen Chirurgie des Dreifaltigkeitskrankenhauses ein Brustimplantat erhalten haben, denn inzwischen besteht laut Richter auch der Verdacht, dass Implantate der in die Kritik geratenen Firmen, die vor 2001 hergestellt wurden, zu frühzeitiger Rissbildung neigen. Was alles passieren kann, wenn das Silikon im Körper ausläuft, sei ja noch gar nicht abzusehen. Der Chefarzt sagt, dass zum Beispiel schwere Entzündungen möglich sind, die auch die inneren Organe befallen könnten. „Krebs kann aber ausgeschlossen werden“, so der plastische Chirurg.

Betroffenen Patientinnen bietet das Krankenhaus Sprechstundentermine an, um mit ihnen über einen Implantate-Austausch zu beraten. Die Kosten für den Tausch übernimmt laut Richter bei medizinischer Notwendigkeit die Krankenkasse.

Mit Mehrkosten für das Dreifaltigkeitskrankenhaus rechnet er nicht. Die negativen Folgen seien ganz anderer Art. Richter sprach von einem riesigen Vertrauensbruch, der durch diese Billigimplantate verursacht wurde. „Und ich sehe keine Möglichkeit, sich gegen solche kriminellen Energien zu schützen“, so Richter. Aus ärztlicher Sicht seien für ihn solche Vorkommnisse selbst mit strengsten Kontrollen nie 100-prozentig zu vermeiden.

Auch im Maria-Hilf-Krankenhaus Bergheim werden nach Krebserkrankungen Implantate eingesetzt. Die Leiterin der Abteilung Frauenheilkunde, Birgitta Wesenberg, versichert, keine der Billigprodukte verwendet zu haben. Im Frechener St-Katharinen-Hospital wurden die Billig-Implantate ebenfalls nicht eingesetzt.

E-Mail: pl.chirurgie@krankenhaus-wesseling.de.

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