Plastische Wesseling

Karpaltunnel-Syndrom

Die Ursache

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch die Einengung eines Nervenin einem Kanal oder Tunnel.

Dieser Karpaltunnel ist eine Art Tunnel, der in Höhe des Handgelenks liegt und dadurch gebildet wird, dass auf der einen Seite der Ellenknochen liegt, auf der anderen Seite der Speichenknochen, auf der Seite des Handrückens die Handwurzelknochen und auf der Seite der Handinnenfläche ein sehr straffes Band.

Durch diesen Tunnel laufen neben dem bereits genannten Nerven die Blutgefäße, die das Blut in die Hand bringen und die Sehnen, die für das Beugen der Finger zuständig sind (Fingerbeugersehnen). Diese Sehnen sind jeweils mit einer Sehnenscheide umhüllt, damit die Sehne gut durch den Karpaltunnel laufen kann. Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie bei einem Bowdenzug, z.B. bei der Handbremse eines Fahrrads, bei dem der Stahldraht durch die Kunststoffummantelung läuft.

Wenn es nun durch ganz unterschiedliche Ursachen, z.B. einseitige Überanstrengung / einseitige Überlastung, eine Verletzung oder durch eine rheumatische Entzündung zu einer Sehnenscheidenentzündung der Fingerbeugersehnen kommt, schwellen die Sehnenscheiden an und werden dicker. In dem Karpaltunnel ist nun nicht viel Platz. Normalerweise gehen alle Sehnen und die Blutgefäße und der Nerv gut hindurch. Wenn die Sehnenscheiden jetzt aber durch die Entzündung dicker werden, wird der Platz im Karpaltunnel eng. Die geschwollenen Sehnenscheiden können nicht zur Seite oder nach oben, da dort der Knochen ist; nach unten können sie auch nicht, da dort das straffe Band ist. Sie drücken also nach innen hinein, wo der Nerv ist. Die Arterien sind relativ hart und werden durch den Blutdruck prall gehalten, der Nerv ist aber relativ weich und wird durch die geschwollenen Sehnenscheiden gedrückt. Diese Druckbelastung des Nerven führt zu den typischen Symptomen des Karpaltunnelsyndroms.

Die Symptome

Die Erkrankung beginnt häufig mit dem sogenannten Einschlafen und „Ameisenlaufen“ (= Kribbeln) auf der Kuppe des Mittelfingers. Durch eine einseitige Haltung des Handgelenkes beim Telefonieren, Rad fahren, …, werden die Beschwerden ausgelöst. Kurze Zeit später hat der Patient das Gefühl einer angeschwollenen Hand. Schmerzen werden in der ganzen Hand, unter Umständen auch im Unterarm empfunden. Die genannten Schmerzen treten bevorzugt in der Ruhe, folglich besonders häufig nachts auf. Im Verlauf der Krankheit bleibt es nicht nur bei den nächtlich auftretenden Schmerzen und Missempfindungen. Zunehmend häufiger treten die Symptome auch tagsüber auf. Patienten berichten diesbezüglich häufig von „Ungeschicklichkeit“ und plötzlich auftretender „Schwäche“ der Hand. Das Feingefühl der Haut an Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger reduziert sich immer stärker.

In später folgenden Stadien kann es zum Schwund der Daumenballenmuskulatur kommen.

Die Diagnose

Eine spezielle neurologische Untersuchung mit Messung der sogenannten Nervenleitgeschwindigkeit liefert eine wichtige Information darüber, ob es bereits zu einer Schädigung des Medianus-Nerven gekommen ist und wie ausgeprägt diese ist. Danach richtet sich dann u.a. die Wahl der zur Verfügung stehenden unterschiedlichen Therapieformen.

Die Therapie

eines Karpaltunnelsyndroms richtet sich zum einem nach der Ursache, zum anderen nach dem Ausmaß des Befundes und dem Grad der Schädigung des Nerven. Oft gelingt es, die Sehnenscheidenentzündungung durch eine Cortison-Injektion in den Karpaltunnel so weit zurückzubilden, daß die Sehnenscheiden rasch abschwellen, der Druck auf den Nerv schnell nachläßt, die Symptome verschwinden und das Karpaltunnelsyndrom ohne bleibende Schäden abheilt. Wenn das Karpaltunnelsyndrom Folge einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung ist, sollte unbedingt überprüft werden, ob diese ausreichend behandelt ist oder ob hier eine Intensierung der medikamentösen Behandlung erforderlich ist.

An begleitenden Maßnahmen empfiehlt sich die zeitweise Ruhigstellung des Handgelenks, am besten mit einer speziellen Bandage (z.B. Rehbandbandage) sowie eine Lagerung, vor allem für die Nacht, damit es in der Nacht beim Schlafen bei bestimmten Schlafpositionen nicht zu einem Abknicken des Handgelenks nach hinten (in Richtung Handrücken) kommt, was den Karpaltunnel noch enger macht und das Problem verstärkt. Außerdem müssen alle Belastungen vermieden werden, die die Fingerbeugersehnen oder das Handgelenk überbeanspruchen und reizen. In vielen Fällen sind unterstützende Maßnahmen mit Kälteanwendungen (z.B. Eisbeutel) mehrfach am Tag hilfreich. Die Eisanwendung sollte dabei nicht zu kurz durchgeführt werden, damit die Kälte bis in die Tiefe eindringen kann und es nicht durch die Kühlung von nur oberflächlichen Hautschichten zu einer verstärkten Durchblutung kommt („reaktive Hyperämie“). Diese führt dann nämlich zu einer Verstärkung der Durchblutung in den entzündeten Gebieten und u.U. sogar zu einer Zunahme der Entzündung.

Um die Sehnenscheiden zum Abschwellen zu bringen, kann man außerdem cortisonfreie Entzündungshemmer geben.

Ein Karpaltunnelsyndrom muss nicht immer operiert werden. Häufig genügt in den sogenannten Frühstadien die Gabe von Vitamin B6 Gaben. Die Therapie kann unter Umständen zusätzlich durch eine speziell angepasste nächtliche Lagerungsschiene verstärkt werden und mit eventuellen Medikamenten und Cortisoninjektionen versucht werden. Wenn die oben genannte Cortisonspritze in den Karpaltunnel nicht ausreichend wirkt, muss man überlegen, ob man zusätzlich an Stelle von cortisonfreien Entzündungshemmern Cortisontabletten gibt.

Die Operation

eines Karpaltunnelsyndroms ist immer dann notwendig, wenn die oben genannten Maßnahmen nicht rasch zu einem Erfolg führen und / oder wenn auf Grund des neurologischen Untersuchungsbefundes (Nervenleitgeschwindigkeit) Anzeichen dafür bestehen, dass der Nerv bereits geschädigt ist. In solchen Fällen sollte mit einer baldigen Operation dafür gesorgt werden, dass der Nerv schnell entlastet wird und sich möglichst rasch wieder erholen kann. Bei der Operation wird mit einer speziellen Technik das oben genannte straffe Band auf der Handinnenseite erweitert, so dass alle durch den Karpaltunnel laufenden Strukturen genug Platz haben.

Dabei sollte die Entscheidung ob eine Operation sinnvoll ist oder nicht, abgewogen werden. Ein erfahrener Hausarzt oder Nervenarzt kann Ihnen hierbei behilflich sein.

Im Rahmen der Karpaltunnelsyndrom – Operation wird generell für eine Erweiterung des Nervenkanals gesorgt. Dies erfolgt durch einen Schnitt zwischen dem Daumen- und Kleinfingerballen (offene Technik) oder durch die Spaltung des Daches mit Hilfe des Endoskops (endoskopische Technik = Schlüssellochchirurgie). In Fällen, in denen die Krankheit schon fortgeschritten ist, erscheint es häufig notwendig, zusätzlich die verdickte Nervenwand zu „dehnen“ .

Generell ist an dieser Stelle anzumerken, dass die Möglichkeit einer ambulanten Operation generell besteht. Es gibt allerdings Fälle, bei denen der Eingriff besser einige Tage stationär erfolgen sollte. Das Betäubungsverfahren kann von örtlicher Betäubung bis hin zur Kurznarkose variieren und wird von unseren Narkosefachärzten mit Ihnen besprochen und Ihren Bedürfnissen angepasst.

Hierbei ist  zu berücksichtigen, dass ein planbarer Eingriff an der Hand stets nur auf einer Seite vorgenommen werden sollte. Selbst in Fällen, in denen auch die andere Seite betroffen ist, sollte stets genügend Zeitabstand zum Ersteingriff eingehalten werden. Das bedeutet, dass die volle Belastbarkeit der zuerst operierten Hand vollständig wiederhergestellt sein sollte.

Der Verlauf

Die große Mehrheit der Patienten erfahren nach der Operation eine Besserung der Symptome, vor allem im Hinblick auf den oft so quälenden Nachtschmerz. In Fällen, in denen der Druck auf den Nerven sehr lange bestand, bzw. besonders stark ausgebildet war, erholt sich das häufig verminderte Hautgefühl oftmals nicht vollständig. Dies gilt besonders häufig für zuckerkranke Patienten. Diese Tatsache weist auf, dass die Operation nicht zu spät durchgeführt werden sollte.

Auch wenn die Operation in den meisten Fällen ohne Komplikationen verläuft und sich der gewünschte Erfolg einstellt, muss eines festgehalten werden: Es gibt keine Operation ohne Risiko.

Patienten, die vor der Operation bereits unter Muskelschwund und sehr lange bestehender „Taubheit“ litten, können von einer vollständigen Wiederherstellung nicht mehr ausgehen. In Fällen, in denen noch ein Rest der Daumenballenmuskulatur erhalten ist und bei Patienten, die noch eine Schmerzwahrnehmung in den Fingern aufweisen, kann eine Operation durchaus sinnvoll sein, um die Restfunktionen des Nerven zu erhalten.
Bei sehr weit fortgeschrittenen Fällen kommt es häufig „nur“ zu einem Stopp der fortschreitenden Nervenschädigung. Eine Normalisierung des Hautgefühls kann sich – wie oben bereits beschrieben – nicht mehr einstellen.

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