Plastische Wesseling

Ohrkorrektur

Abstehende Ohren betreffen viele Kinder, sie sind die am häufigsten vorkommenden Fehlbildungen der Ohren. In Deutschland und Westeuropa  wirken abstehende belustigend. Die betroffenen Kinder werden häufig durch Gleichaltrige gehänselt.  In der Folge kommt es häufig zu psychischen Störungen. Die Kinder schämen sich und  haben Minderwertigkeitsgefühle. Abstehende Ohren sind in der Regel durch eine angeborene Verformung der Ohrknorpel oder durch eine asymmetrische Entwicklung einzelner Knorpelteile bedingt. Durch eine plastisch-chirurgische Operation lässt sich der Ohrknorpel in seiner Form verändern und das Ohr anlegen. Dieser Eingriff wird in der Regel ab dem Vorschulalter durchgeführt, kann aber auch später noch jederzeit durchgeführt werden. Dies ist der geeignetste Zeitpunkt, da in der Regel ein Wechsel des Freundeskreises ansteht und das Ohr nahezu ausgewachsen ist.

Was passiert dabei eigentlich? 

Bei abstehenden Ohren ist der Winkel zwischen Ohr und Kopf zu groß, in der Regel über 90 Grad. Des Weiteren fehlt die charakteristische Kante des Ohres, welche der Fachmann die Anthelix nennt. Diese kann gar nicht oder zu schwach ausgebildet sein. Manchmal findet man auch kombinierte Fehlbildungen, wo der Teil der Ohrmuschel, der am Gehörgang liegt, zu hoch ist. Dann muss die so genannte Concha erniedrigt und/oder gedreht werden. Diese Teilschritte führen dann zu einem individuell angepassten, perfekten Ergebnis. Als Zugangswege wählen wir in der Regel einen Schnitt von hinter dem Ohr, in Ausnahmefällen aber auch direkt an der vorderen Ohrkante. Nach Ausdünnung des Knorpels wird dieser mit nicht auflösbaren Fäden in die korrekte Stellung gebracht. Die Nahttechnik nach Mustarde hat sich bei uns im Klinikalltag bewährt und liefert konstant gute Ergebnisse. Anschließend wird die Haut mit einer fortlaufenden Naht verschlossen. Am Ende bekommen die Patienten dann einen Kopfverband für 2-3 Tage, der dann durch ein Stirnband ersetzt werden kann.

Anästhesieform und Klinikaufenthalt
Die Operation wird bei Erwachsenen und älteren Kindern unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Für Kinder im Vorschulalter empfehlen wir jedoch eine Vollnarkose. Hierfür müssen entsprechende Voruntersuchungen für die Anästhesie einige Tage vor dem geplanten Eingriff in der Klinik durchgeführt werden. Hier erklärt der Narkosearzt die Techniken, die verwandt werden. In der Regel wird der Eingriff ambulant durchgeführt, so dass die Patienten am gleichen Tag wieder nach Hause gehen können.

Wie bereite ich mich auf die Operation vor?
Es sind keine besonderen Vorbereitungen für die Operation erforderlich. Es ist allerdings gut, ein breites, weiches Stirnband mitzubringen, welches dann nach der Operation über den Ohren getragen wird. Wichtig ist, dass man 14 Tage vor der Operation keine Medikamente mehr einnehmen darf, die Acetylsalicylsäure enthalten, wie z. B. Aspirin. Diese verzögern die Blutgerinnung und können dadurch eine Nachblutung hervorrufen.

Wie verläuft die Operation?
Der Patient liegt in Rückenlage, das OP-Gebiet wird desinfiziert  und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Die Nasenatmung wird nicht behindert. Es folgt die örtliche Betäubung mit einem kleinen, kaum schmerzhaften Einstich hinter dem Ohrläppchen oder die Einleitung der Vollnarkose. Zusätzlich wird die Haut in der Ohrmuschel betäubt. Der Hautschnitt (hinter dem Ohr) und die Nähte sind kaum zu merken. Ein summendes Geräusch hört man bei der Schleifmaschine. Nach Formung des Ohrknorpels und Fixierung mit bleibenden durchsichtigen Nähten wird die Hautwunde mit einer fortlaufend genähten Naht verschlossen. Bei beiderseits abstehenden Ohren wird zunächst eine Seite, dann die andere fertig gestellt. Der Eingriff dauert etwa ein Stunde. Im Anschluss an die Operation wird ein Kopfverband angelegt.

Was passiert nach der Operation?
Leichte bis stärkere Schmerzen können auftreten, es kommt auch zu einer bläulichen Verfärbung der Haut. Hier helfen in der Regel einfache Schmerzsäfte, wie Paracetamol. Gerne schreiben wir Ihnen ein Rezept. Beides bildet sich innerhalb von einigen Tagen zurück. Der angelegte Verband verbleibt bis zur Kontrolle etwa vier Tage und darf nicht von Ihnen gewechselt werden.
Wenn der Verband von uns abgenommen wird, sollten Sie in der Nacht noch unbedingt eine Mütze oder Stirnband für die Dauer von 4 Wochen tragen, damit es zu keiner Abknickung der Ohrmuschel kommt. Kindern empfehlen wir das Stirnband auch beim Schulsport zu tragen. Außerdem sind die Ohren noch längere Zeit geschwollen und berührungsempfindlich. Die Pflaster und der Hautfaden am Ohr werden nach ca. 10-14 Tagen bei Wiedervorstellung in unserer Ambulanz entfernt. Die endgültige Ohrform ist wegen der noch bestehenden Restschwellung erst nach 2-3 Monaten erreicht. Die Narbe hinter dem Ohr verblasst innerhalb von 6-12 Monaten. Bei ambulant durchgeführten Eingriffen muss beachtet werden, dass das Reaktionsvermögen nach der Anwendung eines Beruhigungs-, Schmerz- oder Betäubungsmittels vorübergehend beeinträchtigt ist. Die Patienten müssen daher abgeholt und die ersten 24 Stunden begleitet werden.

Welche Risiken sind zu beachten?
Alle Arten von Allergien müssen unbedingt angegeben werden. Auch bei Neigung zu auffälligen blauen Flecken müssen diese gemeldet werden. So können Blutergüsse oder Nachblutungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Welche Komplikationen können entstehen?
Vereinzelt können Komplikationen auftreten. Starke Schmerzen nach der Operation können auf einen zu engen Verband oder auf einen Bluterguss hinweisen. Ein Bluterguss kann punktiert werden und erfordert nur in Ausnahmefällen eine nochmalige Operation. Eine vorübergehende Störung der Berührungsempfindung ist normal und verschwindet nach einiger Zeit von selbst. Narbenwucherungen, ein sog. Keloide, sind sehr selten und durch eine dicke, wulstige, verfärbte, schmerzhafte und juckende Narbe gekennzeichnet. Hier helfen medikamentöse Behandlungen, Druckverbände und eine spätere operative Entfernung, die jedoch mit dem Risiko des Widerauftretens des Keloids verbunden ist.  In seltenen Fällen kann es zu einer Infektion der Wunde oder des Ohrknorpels kommen. Hierdurch tritt eine Heilungsverzögerung auf. Sehr selten ist die Schädigung von Haut oder Knorpel. Meist heilen diese Stellen spontan ab. Alle operativen Maßnahmen erfordern die Durchtrennung feiner Hautnerven, was zu Gefühlsminderung oder Missempfindung besonders bei Kälte führen kann. Dies bildet sich langsam über mehrere Monate zurück, kann in Einzelfällen aber auch anhaltend sein. Ein erneutes Abstehen der Ohrmuschel ist selten, kann aber durch Ausreissen der Fäden – durch zu frühen Sport, beim Toben oder im Schlaf –  entstehen. Die kosmetischen Ergebnisse nach einer Ohrmuschelkorrektur sind meistens gut. Kein Ohr gleicht dem anderen, weder vor noch nach der Operation. So kann z. B. das eine Ohr größer sein als das andere und weiter abstehen. Auch nach dem Eingriff kann sich das Ergebnis durch Narbenbildung oder durch Rückstellkräfte des Knorpels noch verändern, so dass erneut eine Deformierung der Ohrmuschel auftreten kann. Durch einen zweiten operativen Eingriff können die Ergebnisse in solchen Fällen nochmals korrigiert werden.

Welche Nachbehandlung ist erforderlich?
Insgesamt 4 Wochen nach der Operation sollte noch ein Stirnband getragen werden, auch beim Schlafen.  Die Fäden werden ca. 10-14 Tage nach der Operation entfernt.

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?
Die Arbeitsunfähigkeit und Schulunfähigkeit beträgt ca. 3-4 Tage. Auf Sport sollte für etwa sechs Wochen verzichtet werden. Beim Haare Waschen sollten Sie vorsichtig vorgehen, damit die Ohren nicht umknicken.
Quelle: in Anlehnung an VDÄPC

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