Plastische Wesseling

Narbenpflege

Jeder Mensch auf der Welt ist schon einmal verletzt worden. Die typischen Schürfwunden und Beulen der Kinder, die Schnittwunden durch unachtsamen Gebrauch eines Küchenmessers, die Einstichstellen der Injektionsnadel bei einer Impfung oder der Schnitt des Chirurgen bei einer Operation – das sind alltägliche Ereignisse, die millionenfach geschehen.
Auch Brandverletzungen und Verletzungen durch Unfälle kommen millionenfach vor. Manchmal ist die Heilung vollständig. Manchmal bleiben Narben zurück. Einige sind so winzig, dass sie kaum zu sehen sind. Narben können aber auch groß sein und deutlich hervortreten. Sie können jucken und Schmerzen bereiten und sogar die Beweglichkeit einschränken. Narbenwucherungen können zu vergrößerten und verdickten Narben führen.
Die oft so makellose Haut, dieses Sinnbild der Schönheit, kann durch Narben so sehr gestört sein, dass die Betroffenen psychisch leiden und sozial ausgegrenzt werden. Eine vorausschauende moderne Narbenbehandlung beginnt schon während der Wundheilung. Sie kann zwar eine Narbe nicht verhindern, sie kann aber die Narbenbildung in Hinblick auf Aussehen und Funktionalität deutlich positiv beeinflussen.


Wie kann eine Wunde heilen?

 

Nicht jede Wunde ist gleich. Je nach Art der Verletzung sehen sie völlig unterschiedlich aus. Schürfwunden sind oberflächlich und bluten nur wenig, Schnitt- oder Stichwunden sind tief und haben glatte Wundränder, Bisswunden haben ausgefranste Wundränder und Gewebe wurde herausgerissen. Zwar läuft physiologisch der gleiche Wundheilungsprozess bei jeder dieser Wunden ab, aber die Form der Wundheilung erfolgt dennoch auf unterschiedliche Art.

Regenerative Wundheilung: Oberflächliche Wunden, die nicht mehr als die Oberhaut und Teile der Lederhaut betreffen, wie z. B. die Schürfwunde, heilen regenerativ. Es bildet sich keine Narbe. Bei der regenerativen Wundheilung entwickeln sich aus intakten Basalzellen, die in der Lederhaut erhalten geblieben sind, neue Hautzellen. Das neue Gewebe unterscheidet sich kaum von seiner Umgebung. Es hat annähernd dieselbe Farbe, Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haarfollikel bleiben intakt.

Primäre Wundheilung: Wunden, die primär abheilen, haben glatte Wundränder. Die Ränder liegen nah beieinander, die Wunde ist sauber und nicht mit Keimen oder Fremdkörpern verunreinigt. Sie enthält kein nekrotisches (totes) Gewebe. Außerdem ist das Gewebe um die Wunde herum gut durchblutet. Ein Beispiel für eine solche Wunde ist ein chirurgischer Schnitt. Bei primär heilenden

 Wunden werden die Wundränder z. B. durch Vernähen aneinandergefügt. Sie verheilen rasch in 4 bis 6 Tagen. Wundödem und Entzündung (vgl. Was geschieht bei der Wundheilung?) sind meistens nur schwach entwickelt. Es bildet sich nur eine minimale Narbe. Besteht der Verdacht auf eine Verunreinigung der Wunde, so kann es zu einer verzögerten primären Wundheilung kommen. Dann werden zur Versorgung der Wunde zwar auch Nähte angelegt, sie werden aber noch nicht fest verknotet. Das geschieht erst nach der Entzündungsphase, wenn sich keine Infektion eingestellt hat. Danach wird die Wunde fest verknotet und verheilt. Kommt es zu einer stärkeren Infektion, müssen die gelegten Fäden entfernt werden. Die Wunde kann dann nur sekundär abheilen.

Sekundäre Wundheilung: Bei großflächigen Gewebeverlusten z. B. bei Hundebissen, bei starken Verbrennungen und bei tiefen Druckgeschwüren (Dekubitus) kann eine Wunde nicht zugenäht werden. Sie muss vom Grund her „zuwachsen“. Die Form der Wundheilung wird sekundär genannt. Die Heilung einer solchen Wunde dauert Wochen bis hin zu Monaten. Außerdem ist sie anfällig für Infektionen. Sekundäre Wundheilung sollte durch eine fachgerechte Wundversorgung von Arzt und Pflegeteam unterstützt werden.

Bei der primären und sekundären Wundheilung entstehen Narben. Bei der primären und bei der sekundären Wundheilung wird die Wunde mit unspezifischem Gewebe verschlossen. Man spricht dann auch von reparativer Wundheilung. Dabei entstehen mehr oder weniger auffällige Narben. Die Narbe ist weniger elastisch als die gesunde Haut und farblos, weil sie keine Pigmentzellen mehr enthält. Auch Schweiß- und Talgdrüsen, sowie Haarfollikel werden nicht wieder neu gebildet.

Faktoren, die die Narbenbildung beeinflussen
Wundheilung, Wundhygiene, erbliche Faktoren und das Alter beeinflussen die Narbenbildung. Größe, Form und Farbe einer Narbe hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören Größe und Art der Wunde, Ort der Wunde, die Wundheilung und Wundhygiene, das Alter und erbliche Faktoren. Je jünger ein Mensch ist, desto schneller heilen Wunden. Im Alter wird die Haut dünner. Die Fettschichten nehmen ab, ebenso die Kollagenfasern und die elastischen Fasern. Die Anzahl der eingelagerten Schweißdrüsen wird geringer. Die Durchblutung, und damit die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, geht zurück. Insgesamt führen diese Veränderungen dazu, dass die Haut älterer Menschen dünn und trocken ist. Sie ist auch deutlich weniger elastisch, als dies vorher der Fall war. Darum ist die Haut jetzt leichter verletzbar und Wunden heilen langsamer. Aufgrund dieser längeren Heilzeit erhöht sich das Infektionsrisiko einer Wunde ganz erheblich. Jüngere Menschen  neigen dagegen bei Verletzungen dazu, mehr Bindegewebe zu produzieren, als notwendig wäre. Dadurch entstehen in der Folge oft größere und dickere Narben.

Auffällige Narben können erblich bedingt sein. Es scheinen auch erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen. Menschen afrikanischer und asiatischer Abstammung neigen eher zu einer überschießenden Neubildung von Bindegewebe. Das kann zur Ausbildung von hypertrophen Narben und Narbenkeloiden führen.

Wundinfektionen erhöhen das Risiko, eine auffällige Narbe zu entwickeln. Die Gestalt einer Narbe kann davon abhängen, auf welchem Körperteil die Narbe liegt. Narben auf Körperteilen, die häufig bewegt und angespannt werden, unterliegen einer ständigen Zugspannung. Durch diese Spannung kommt es eher zur Ausbildung auffälliger Narben. Das ist z. B. über Gelenken, am Rücken oder der Schulter der Fall. Wunden, die durch eine Naht geschlossen werden können (vgl. primäre Wundheilung), bilden meistens eine kleine Narbe. Bei der sekundären Wundheilung heilen die Wunden offen und bilden in der Regel auffälligere Narben, z. B. bei Verbrennungen und Bisswunden. Kommt es bei der Wundheilung zu einer Infektion, so ist das Risiko, eine auffällige Narbe zu entwickeln, deutlich höher. Wundinfektionen führen zu einer verzögerten Wundheilung. Vorher durch eine Naht verschlossene Wunden müssen bei einer Infektion wieder geöffnet werden und können dann nur sekundär (offen) abheilen. Sekundär heilende Wunden sind häufig von krankmachenden Keimen besiedelt. Da muss nicht automatisch zu einer Infektion führen. Eine Wundinfektion ist abhängig davon:

  • wie viele Keime in der Wunde sind.
  • welcher Art die Keime sind.
  • wie hoch die Giftigkeit (Virulenz) der Keime ist.
  • welcher Art die Wund ist, z. B. ob sie glatt ist oder zerklüftet (Biss), mit totem Gewebe bedeckt (Dekubitus) oder frisch.
  • ob Fremdkörper in der Wunde sind.
  • wie gut die Immunabwehr des Verletzten funktioniert.

Ein geschwächtes Immunsystem oder eine Störung des Stoffwechsels können eine Infektion begünstigen. Je höher die Zahl der krankmachenden Keime in der Wunde ist und je virulenter die Keime sind, desto größer ist die Gefahr einer Infektion. Verunreinigungen durch Gewebetrümmer (Biss) oder Fäkalien (Operationswunde nach Analfistel), Sand, sind ein idealer Nährboden für Keime. Ist der Gesundheitszustand des Verletzten schon angegriffen, oder leidet er an einer Grundkrankheit (z. B. Diabetes), kann das eine Wundinfektion begünstigen. Wie eine Wundinfektion verläuft, hängt von der Art des Erregers ab. Der Grund der eingesunkenen Narben liegt unter dem Hautniveau. Mit dem Begriff „Atrophie“ wird in der Medizin immer eine Rückbildung beschrieben. Bei atrophen Narben wird bei der Wundheilung zwar die Wunde geschlossen, aber es wird insgesamt zu wenig Gewebe neu gebildet, um die Wunde auszufüllen. Dadurch entstehen eingesunkene Narben, deren Grund tiefer liegt, als die umgebende Haut. Die Narben sind meistens flach und breit etwa in Form kleiner Grübchen.
Aknenarben sind typisch. Von einer Narbenkontraktur spricht man, wenn sich Narben durch eine erhebliche Schrumpfung des Narbengewebes stark zusammenziehen und verhärtet. Das ist besonders häufig der Fall nach ausgedehnten Haut- und Weichteilverletzungen, nach Verbrennungen oder Entzündungen. Bei diesen meistens sekundär heilenden Wunden entstehen Zugkräfte in verschiedene Richtungen. Es entstehen stark verwachsene und ungleichmäßige Narben. Diese Narbenkontrakturen sehen unschön aus und können zu starken Funktionsbeeinträchtigungen führen. Das ist besonders dann der Fall, wenn sich die Narbe über einem Gelenk befindet. Die mangelnde Elastizität kann zu erheblichen Einschränkungen in der Beweglichkeit führen. Auch Körperbereiche, bei der Narben einer ständigen Zugspannung ausgesetzt sind, etwa am Rücken oder an der Schulter, sind in ihrer Beweglichkeit zur Narbenkontrakturen eingeschränkt.
Dehnungsstreifen – Schwangerschaftsstreifen
Risse in der Unterhaut Dehnungsstreifen entstehen durch feine Risse im Unterhautgebewebe, vorzugsweise in der Schwangerschaft. Deshalb werden sie auch häufig Schwangerschaftsstreifen genannt, in der Fachsprache Striae gravidarum. Diese Risse treten als bläulich oder rötlich verfärbte Streifen in Erscheinung, meist an bevorzugten Körperregionen wie Bauch, Hüften, Oberschenkel oder Brüsten. Mit der Zeit verblasst das vernarbte Gewebe oft zu silbrig glänzenden Streifen.
Dehnungsstreifen treten nicht nur in der Schwangerschaft auf Dehnungsstreifen treten immer dann auf, wenn sich die Haut langsam und übermäßig dehnen muss. Neben einer Schwangerschaft gibt es auch noch andere Ursachen, z. B. starke Gewichtsschwankungen (Jo-Jo-Effekt nach Diäten), schnelles Wachstum oder Body-Building. Kortisonhaltige Medikamente, eine Bindegewebsschwäche oder krankhafte Hormonstörungen können das Auftreten von Dehnungsstreifen ebenfalls begünstigen.

Das Hautbild kann verbessert werden Dehnungsstreifen sind Narben und die lassen sich leider nicht vollständig beseitigen. Durch eine Massage mit Gelen, Salben oder Cremes kann allerdings ein deutlich besseres Erscheinungsbild erzielt werden. Hier empfiehlt sich z. B. die Behandlung mit Contractubex® Narbengel. Die Inhaltsstoffe lockern das vernarbte Gewebe auf, sorgen für eine bessere Feuchtigkeitsbindung und lassen unschöne Verfärbungen verblassen. Je nach Erscheinungsbild können auch andere Möglichkeiten der Narbenbehandlung sinnvoll sein, z. B. eine Verkleinerung durch Lasersysteme oder Kryotherapie.
Vorbeugende Maßnahmen helfen Die beste Behandlungsmethode ist aber immer noch die Vorsorge: Regelmäßige sanfte Massagen der Haut während der gesamten Schwangerschaft, z. B. mit einem Narbengel, fördern die Elastizität des Bindegewebes und beugen somit der Entstehung von Dehnungsstreifen vor. Ein zusätzliches Gefäßtraining in Form von Bürstenmassagen und Wechselduschen ist ebenfalls von Vorteil. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil zur Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen.

Hypertrophe Narben
„Hypertrophie“ bedeutet in der Medizin immer eine Vergrößerung von Geweben oder Organen. Hypertrophe Narben entstehen als Folge einer überschießenden Bildung von Bindegewebe. Die Narben sind wulstig und ragen über das Niveau der gesunden umgebenden Haut hinaus. Dabei bleiben sie aber auf das eigentliche Gebiet der Wunde beschränkt. Häufig sind hypertrophe Narben stark gerötet. Sie können jucken und schmerzen.

Ursache sind starke Zugkräfte, die auf das Narbengewebe einwirken. Hypertrophe Narben entstehen häufig, wenn sich die Wunde während der Heilung gegen starke Zugkräften schließen muss. Durch die verstärkten Zugkräfte richten sich die Kollagenfasern in Richtung des Zugreizes aus. Die andauernde Spannung bewirkt eine vermehrte Bildung von Blutgefäßen und Bindegewebe. Die Folge ist die wulstartige, stark gerötete hypertrophe Narbe. Das ist vor allem über Gelenken so, wo Bewegung die Entstehung von Zugkräften fördern. Auch eine mangelnde Schonung der Wunde oder eine Wundinfektion können die Bildung einer hypertrophen Narbe begünstigen. Häufig entstehen hypertrophe Narben auch nach Verbrennungen. Kinder und Jugendliche sind besonders häufig betroffen, weil sie zur vermehrten Bildung von Bindegewebe neigen.
Bei Operationen wird der Schnitt in Richtung der geringsten Spannung gesetzt. Unbehandelt kann es nach ein bis zwei Jahren zu einer spontanen Rückbildung der hypertrophen Narbe kommen. Das ist aber keineswegs immer der Fall. Häufig ist die Rückbildung auch nicht komplett. Bei Operationen versucht man schon durch die Schnittführung die Entstehung übermäßiger Zugkräfte zu verhindern, indem der Operationsschnitt wenn möglich entlang der natürlichen Hautspaltlinien gesetzt wird. Diese Linien werden auch „Langersche Linien“ genannt. Am Bauch z. B. verlaufen diese Linien quer zur Längsachse des Körpers. Deshalb werden Bauchschnitte von Operationen, z. B. beim Kaiserschnitt, quer angesetzt.

Keloide
Keloide bilden oft dicke und wulstförmig aufgeworfene Wucherungen. Keloide sind Narbenwucherungen. Im Volksmund wird gelegentlich auch von „wildem Fleisch“ gesprochen. Narbenwucherungen entstehen durch eine stark überschießende Produktion von Bindegewebe. Die Narbe wächst über die Wunde hinaus und bleibt dabei nicht auf das Gebiet der Wunde beschränkt. Sie kann sich tumorartig auf das benachbarte gesunde Hautgewebe ausdehnen. Keloide bilden oft dicke und wulstförmig aufgeworfene Wucherungen. Sie sind meistens rot oder auch dunkler gefärbt, als die umgebende Haut. Ausgehend von der Wundfläche kann die Größe der Keloide stark variieren und von wenigen Millimeter bis hin zur Größe eines Fußballs reichen. Häufig besteht starker Juckreiz und das Gewebe ist empfindlich bei Berührung.
Häufig betroffen sind auch junge Frauen und Menschen dunkler Hautfarbe Die Kollagenfasern in einem Keloid sind kaum untereinander vernetzt. Deswegen wird als eine der Ursachen für die Entstehung von Keloiden eine Störung im Kollagenstoffwechsel diskutiert. Wahrscheinlich ist auch ein erblicher Faktor, denn Keloide kommen familiär gehäuft vor. Häufig betroffen sind auch junge Frauen und Menschen dunkler Hautfarbe. Keloide treten nur in pigmentierter Haut auf. Besonders häufig entwickeln sie sich an Schultern, Ohrläppchen und in anderen Körperregionen, die stärker pigmentiert sind. Auch die Zugkräfte, die auf die Wunde wirken, scheinen (ähnlich wie bei den hypertrophen Narben) eine Rolle zu spielen. Verbrennungswunden bilden besonders häufig Keloide aus. Auch Aknenarben und Operationsschnitte können später Keloide ausbilden. Keloide bilden sich nur in seltenen Fällen spontan zurück.

Behandlungsmöglichkeiten
Spritzenbehandlung

Kortison kann in die Narbe gespritzt werden und wirkt oft schon bei der ersten Injektion. Eines der häufigsten Medikamente zur Behandlung hypertropher Narben und Keloide ist das Kortison. Kortikoide werden direkt in das Narbengewebe gespritzt. Kortikoide hemmen die Produktion von Kollagen und unterdrücken so die überschießende Narbenbildung. Die Narbe flacht ab und wird weich und geschmeidig. Am sinnvollsten ist der Einsatz von Kortikoiden, wenn die Narbe noch hellrot und relativ neu ist.  Auch bei juckenden und schmerzenden Narben hat sich die Einspritzung von Kortikoiden bewährt. Bei frisch operierten Narben kann schon einen Tag nach der Operation eine Injektion erfolgen. In dreiwöchigem Abstand kann dann je nach Bedarf eine weitere Injektion gesetzt werden. Bei kleinen Narben kann schon eine einmalige Injektion ausreichend sein. Entscheidend ist, dass die Injektion nur direkt in das Narbengewebe erfolgt und nicht in die gesunde umgebende Haut. Bei falschen Injektionen ergeben sich häufig unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Verdünnung der Haut, Pigmentstörungen und eine bleibende Erweiterung oberflächlicher Blutgefäße.
Eingesunkene Narben werden mit Biomaterialien aufgefüllt. Bei atrophen Narben wird mit Hilfe von Injektionen versucht, den Narbengrund auf das Niveau der umgebenden Haut anzuheben. Diese Behandlung kommt häufig bei eingesunkenen Narben im Bereich des Gesichts zur Anwendung. Unter die Narbe werden Biomaterialien gespritzt. Das sind z. B. eigenes Körperfett, das zuvor an einer anderen Körperstelle entnommen wurde, Rinderkollagen, Gelatine oder Hyaluronsäure. Biostoffe werden in der Regel gut vertragen. In seltenen Fällen kann es zu unerwünschten allergischen Reaktionen kommen. Die Behandlung muss über Jahre immer wiederholt werden, weil die eingespritzten Materialien vom Körper wieder abgebaut werden.

Silikonzubereitungen
Silikon wird schon lange erfolgreich angewandt Silikonverbindungen haben vielfältige Eigenschaften, die sich in Medizin, Kosmetik, Haushalt und Industrie nutzenbringend einsetzen lassen. Silikon ist gasdurchlässig, wasserabweisend, temperaturbeständig, alterungsbeständig, elastisch, farb- und geruchlos. In der Medizin wird es z. B. als Ausgangsstoff für Implantate, bei medizinischen Hilfsmitteln und als Grundlage für Salben seit langer Zeit verwendet. Weil es biologisch nicht abgebaut wird und insgesamt sehr reaktionsträge ist, ist es im Vergleich zu anderen Materialien recht sicher anwendbar. Auch allergische Reaktionen bei oberflächlichen Anwendungen sind nicht bekannt.
Unter der Silikonabdeckung bildet sich eine feuchte Kammer Diese Eigenschaften werden bei der Therapie von Narben mit Silikonfolien, -pflaster und seit kurzem auch mit Silikongel genutzt. Deckt man eine Narbe mit einer Silikonzubereitung ab, bildet sich darunter eine „feuchte Kammer“. Diese ist durchlässig für Gas, nicht aber für Wasser. Aufgrund der erhöhten Feuchtigkeit wird rund um die verletzte Stelle weniger Kollagen (Narbengewebe) gebildet. Dadurch sinkt das Risiko, auffällige wulstige (hypertrophe) oder gar wuchernde Narben (Keloide) auszubilden. Durch die Behandlung mit Silikonzubereitung werden Narben flacher und weicher und insgesamt weniger auffällig. Rote und dunkle Narben werden blasser. Juckreiz und Spannungsgefühl lassen schon nach wenigen Tagen nach. Diese Effekte werden auch bei älteren Narben beobachtet.
Bei „Risikopatienten“ empfehlen wir die Anwendung von Silikonpflastern direkt nach der Wundheilung für einige Monate. Die Pflaster können 10 – 14 Tage belassen werden und halten lange.

Operation
Narben, die die Beweglichkeit einschränken oder entstellende Narben werden häufig operiert. Reichen konservative Behandlungsmaßnahmen nicht aus, um eine kosmetisch akzeptables Narbenbild zu erhalten, so können operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Das wird meistens dann sinnvoll, wenn Narbenkontrakturen und starke Verwachsungen zu einer Bewegungseinschränkung oder dauerhaften Schmerzen führen. Das kann z. B. bei Narben der Fall sein, die über einem Gelenk liegen, etwa in der Kniekehle, der Armbeuge oder über Fingergelenken. Auch Verbrennungsnarben, die häufig großflächig sind, werden häufig operativ nachbehandelt. Da gleiche gilt für kosmetisch störende Narben in sichtbaren Körperbereichen, z. B. Aknenarben im Gesicht oder Keloide am Hals oder an den Ohrläppchen.
Häufig ist eine langfristige Nachbehandlung notwendig, um ein Wiederauftreten der störenden Narbenbildung zu verhindern. Nicht jede Narbe kann operativ behandelt werden. Ist eine Operation möglich, so können Narben verkleinert oder geglättet werden. Dazu können verschiedene Operationstechniken zur Anwendung kommen:
Ausschneiden und vernähen: Hierbei wird die Narbe durch einen glatten Schnitt herausgetrennt und anschließend die neue Wunde vernäht, so dass sie primär verheilen kann. Die Technik kann nur bei kleinen Narben durchgeführt werden. Bei Keloiden wird dieses Verfahren ohne eine umfangreiche Nachbehandlung nicht angewandt, weil Keloide die Neigung haben, immer wieder aufzutreten. Die Rezidivrate ist sehr hoch. Deshalb muss im Anschluss an die Operation eine weitere Behandlung erfolgen z. B. durch eine Röntgenweichstahltherapie, bei der oberflächlich wirkende Röntgenstrahlen das Wiederauftreten des Keloids unterdrücken. Auch eine Spritzenbehandlung mit Kortikoiden oder Interferonen und/oder eine Drucktherapie sind häufig erforderlich. Bei hypertrophen Narben sollte diese Operation frühestens ein Jahr nach Entstehung der Narbe durchgeführt werden, weil die Möglichkeit besteht, dass sie sich spontan zurückbilden (vgl. hypertrophe Narben). Eine Operation ist aber früher sinnvoll, wenn eine Narbenkontraktur zu funktionellen Beeinträchtigungen führt. Ausschneiden und Hauttransplantation: Bei großen Keloiden und hypertrophen Narben wird das Narbengewebe oberflächlich herausgetrennt und dann mit vorher entnommener Eigenhaut wieder abgedeckt.
Narbenplastik: Nach der operativen Entfernung des Narbengewebes wird hier mit einer speziellen Technik die Wunde neu vernäht. Dabei kann auch der Narbenverlauf so geändert werden, dass keine ungünstigen Zugkräfte mehr auf der Narbe liegen. Dadurch wird das Risiko für ein  Wiederauftreten von hypertrophen Narben, Keloiden und Verwachsungen verringert. Allerdings ist auch hier die Nachbehandlung mit Bestrahlung, Spritzenbehandlung und Drucktherapie erforderlich.

Hochtouriges Schleifen
Narbenränder werden geglättet und abgeflacht. Bei eingesunkenen Narben, z. B. den typischen atrophen Aknenarben, und Narben mit scharfen Abgrenzungen wird häufig eine spezielle Schleiftechnik angewandt, um die Narbenränder flacher zu gestalten. Mit Hilfe eines Diamantschleifers, der sich mit etwa 30.000 Umdrehungen pro Minute dreht, wird die Narbe abgeschliffen. Dabei werden besonders die Narbenränder abgeflacht. Die obere Schicht der Narbe selbst wird glatter geschliffen.
Es kann eine Vollnarkose notwendig sein. Bei großflächigen Narben muss die Schleifbehandlung, die auch Dermabrasion genannt wird, in Vollnarkose durchgeführt werden. Eine wiederholte Behandlung ist oft sinnvoll. Wird das Verfahren bei hypertrophen Narben angewandt, kommt es nicht selten zu einer erneuten Narbenwucherung. Die Dermabrasion kann auch zur Entfernung oberflächlicher Tätowierungen angewandt werden.

Bestrahlung
Das Wiederauftreten von Keloiden kann verhindert werden. Eine Bestrahlung oder genauer eine Röntgenweichstrahltherapie wird häufig eingesetzt, um das Wiederauftreten eines Keloids zu verhindern. Die Behandlung ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 bis 99 Prozent erfolgreich. Dabei wird direkt nach der Operation eines Keloids eine geringe Strahlendosis auf das betroffene Gewebe abgegeben. Die Strahlen dringen nur etwa 4 bis 6 Millimeter in die Haut ein. Die Behandlung erfolgt über etwa 2 Wochen.

Primäre Behandlung nur innerhalb der ersten 6 Monate. Als primäre Behandlung (vor einer Operation) kommt die Bestrahlung kaum in Frage. Lediglich bei Keloiden kann, wenn andere Behandlungsvesuche nicht anschlagen, eine Bestrahlung versucht werden. Dabei sollte die Behandlung aber innerhalb der ersten 6 Monate nach Entstehung des Keloid durchgeführt werden. In dieser Zeit ist das Gewebe sehr viel empfindlicher gegenüber Röntgenstrahlen. Nach diesem Zeitraum nimmt die Empfindlichkeit stark ab.

Medikamentöse Lokaltherapie
Medikamente in Gelen, Salben und Cremes machen die Narbe weicher Gele, Salben und Cremes mit entsprechenden Wirkstoffen werden vielfach in der Behandlung von Narben eingesetzt. Inhaltsstoffe wie Kortikoide, Vitamin-A-Säure und Östrogene wirken hemmend auf die Kollagenproduktion und machen das Narbengewebe weicher und geschmeidiger. Zwiebelextrakt (Extractum Cepae) wirkt antientzündlich, abschwellend und keimtötend. Es hemmt die überschiessende Bildung von Bindegewebe. Heparin wirkt unterstützend, indem es die Gewebestruktur auflockert. Darüber hinaus wirkt es entzündungshemmend und fördert die Wasserbindung im Narbengewebe. Allantoin fördert die Wundheilung und besitzt eine reizmildernde Wirkung.
Frühe Anwendung wirkt unschöner Narbenbildung entgegen Die Anwendung entsprechender Wirkstoffe kann bereits die Entstehung von Narben deutlich reduzieren. Deshalb sollte schon früh – wenige Tage, nachdem sich die Wunde geschlossen hat, oder 8 bis 10 Tage nach einer Operation – auf frischem Wundgewebe mit einer Anwendung begonnen werden. So kann einer unschönen Narbenbildung vorgebeugt werden. Aber auch bestehende Narben können behandelt werden. Die Wirkstoffe wirken direkt am Narbengewebe und fördern die Regeneration hin zur normalen, optisch unauffälligen Hautstruktur.

Bei großen Narben kann ein Gelverband helfen. Das Narbengewebe sollte vorher mit einer warmen Kompresse eingeweicht werden. Dann wird das Gel aufgetragen und leicht einmassiert. Die Narbe mit einer Haushaltsfolie abdecken und mit einem Verband versehen. So kann das Gel über Nacht einwirken. Bei kleineren Flächen können luftdurchlässige Pflaster die gleiche Funktion erfüllen.
Bei Narben an Händen, Füßen und Ellenbogen werden Bäder empfohlen. Dazu wird ein Strang Gel in lauwarmes Wasser gegeben und die Narbe darin längere Zeit gebadet.

Geduld wird belohnt Obwohl bei manchen Narben schon nach relativ kurzer Zeit Behandlungserfolge sichtbar werden, wirken Gele, Salben und Cremes nicht „über Nacht“. Einige Wirkstoffe greifen direkt in Narbenbildungsprozess ein und fördern einen Umbauprozess, der einige Zeit in Anspruch nimmt. Frische Narben reagieren besser und schneller auf die Anwendung, als alte Narben. Dabei müssen Sie etwas Geduld aufbringen und die Produkte über einen längeren Zeitraum kontinuierlich anwenden, damit diese ihre volle Wirkung entfalten können. Eine Kombination mit anderen Formen der Narbenbehandlung ist möglich.

Drucktherapie
Der Stoffwechsel im Narbengewebe wird verlangsamt. Bei der Druck- oder Kompressionstherapie wird über Verbände kontinuierlich ein leichter Druck von etwa 20 bis 30 mmHg auf die Narbe ausgeübt. Durch den Druck ist die Durchlässigkeit der feinen Kapillaren herabgesetzt und die Durchblutung vermindert. Der Stoffwechsel im Narbengewebe wird verlangsamt. Das führt zu einer verbesserten Ausreifung der kollagenen Fasern. Das Narbengewebe geht zurück. Die Narbe wird glatt und elastisch.
Die Therapie kann zwischen 6 Monaten und 2 Jahren dauern Mit der Drucktherapie werden vor allem großflächige Narben, insbesondere nach Verbrennungen, die zu hypertropher Narbenbildung und Narbenkontrakturen neigen, erfolgreich behandelt. Auch bei Keloiden wird die Drucktherapie angewandt. Die Anwendung erfolgt bei schon bestehenden Narben, oder auch zur Vorbeugung, etwa bei einer erblichen Veranlagung, auffällige Narben (hypertrophe Narben, Keloide) zu entwickeln, oder aber nach großflächigen Verbrennungen und Verätzungen. Je nach Ort und Größe der zu behandelnden Narbe können dabei spezielle Bandagen oder eigens auf den Körper angepasste Kompressionskleidung, etwa Jacken, Hosen, Ganzkörperanzüge, Handschuhe, Socken, Ohrclips etc. zur Anwendung kommen. Die Kompression muss kontinuierlich über 24 Stunden getragen werden. Weil sich die Reduktion des Narbengewebes nur langsam vollzieht, dauert eine Kompressionsbehandlung zwischen 6 Monaten und 2 Jahren. Das ist individuell ganz unterschiedlich.
Die Drucktherapie kann mit anderen Formen der Narbentherapie kombiniert werden, etwa mit einer Silikonbehandlung. Es gibt auch Silikonpflaster, die eine Abdichtung der Wunde bewirken und gleichzeitig das Prinzip der Drucktherapie anwenden. Auch diese Therapie ist häufig über Monate erforderlich.

Laser
Lasertechnik gehört unbedingt in die Hand eines Spezialisten. Eine Lasertherapie sollte nur von einem erfahrenen Spezialisten und unter strenger Indikation durchgeführt werden. Gebündeltes Licht wird gezielt in die betroffenen Areale geschossen und bewirkt ein Absterben der Zellen. Die Narbe schrumpft und die Haut strafft sich. Jeder Narbentyp verlangt eine genau abgestimmte Behandlung, wobei häufig verschiedene Geräte miteinander kombiniert werden müssen. Insbesondere hypertrophe Narben scheinen von einer Laserbehandlung zu profitieren. Es kann aber nicht jede hypertrophe Narbe behandelt werden. Bestimmte Areale, z. B. an Brust und Rücken neigen zur Bildung von Narbenwucherungen und sollten deshalb von der Behandlung ausgenommen werden.
Die Kosten sind oft erheblich. Häufig sind mehrerer Sitzungen erforderlich. Die Kosten müssen in der Regel vom Betroffenen selbst getragen werden. Eine vorherige Rücksprache mit der Krankenkasse ist sinnvoll. Eine nicht sachgerechte Anwendung der Lasertechnik kann zu negativen Auswirkungen auf die umliegenden Hautbereiche führen.
Massagen halten das Gewebe geschmeidig. Ist die Wundheilung abgeschlossen, kann durch eine vorsichtige Massage eine Erweichung des Narbengewebes erreicht werden. Diese Behandlung sollte durch einen Physiotherapeuten erfolgen. Durch leichte ziehende und streichende Bewegungen werden dabei Verklebungen des Narbengewebes mit den darunter liegenden Gewebsschichten gelöst. Die Neigung des Narbengewebes, sich zusammenzuziehen, wird verringert. So wird das Narbengewebe geschmeidig gehalten.
Bei der Massage können Lokaltherapeutika in Form von Salben oder Gels in die Narbe eingebracht werden und so die Bildung einer geschmeidigen Narbe unterstützen.

Quelle: Medizininfo.de


Wenn Sie noch Fragen haben:
Fragen Sie uns!

 

Plastische Chirurgie Wesseling
02236 – 77 387
Pl.chirurgie@Krankenhaus-Wesseling.de

Zurück   |   Nach oben