Plastische Wesseling

Wissenschaftliche Veröffentlichung

Die Behandlung der Gynäkomastie 

 

Dirk F. Richter – Neven Olivari – Mathias Reichenberger 

Chirurgische Allgemeine Zeitung 2004

 

Die Gynäkomastie beim Mann stellt ein häufiges Krankheitsbild meist in der Pubertät oder im Senium dar. Der Befund ist in über 75% beidseits ausgeprägt und hat meist eine hormonelle Dysbalance mit Östrogenüberschuss oder Anabolika-Mißbrauch als Ursache. Einige Medikamente begünstigen als Nebenwirkung die Bildung einer Gynäkomastie. Man unterscheidet hier die drüsige Gynäkomastie von der fettigen (Pseudo-) Gynäkomastie, die meist alimentäre Ursachen hat. Häufig sind jedoch auch Mischformen zu finden.

Präoperativ sollten insbesondere bei einseitigen Befunden neben der endokrinologischen und urologischen Abklärung die Mamma-Sonographie ggf. auch Mammographie erfolgen.

Für die operative Therapie der Gynäkomastie steht eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungen zur Verfügung. Häufig wird eine offene Drüsenextirpation über unterschiedliche Schnittführungen durchgeführt, was nicht selten zu unschönen und adhärenten Narben mit ungenügendem kosmetischem Ergebnis führt, da die Übergänge nicht fließend sind und sich oft stufige Aufwerfungen finden.

 

 

In der Plastischen Chirurgie haben sich aus diesem Grund die Techniken der Fettabsaugung in zunehmenden Maß bei der Behandlung der Gynäkomastie etabliert. Diese richten sich nach dem klinischen Befund und dem Anteil an Fett- bzw. Drüsengewebe.

Während bei der lipomatösen Gynäkomastie ohne Drüsenhypertrophie eine alleinige Liposuktion ausreicht, empfiehlt sich bei der gemischten und rein drüsigen Form eine Kombination aus Liposuktion und offener Resektion mit periareolärem Rundschnitt, um sonst häufigere Rezidive zu vermeiden. Hierbei ist darauf zu achten, dass retromammillär genügend Gewebe belassen wird, damit keine Vertiefungen und Verklebungen der Mamille mit der Pectoralisfascie auftreten.

Besteht lediglich diagnostische Unsicherheit hinsichtlich der Dignität, lässt sich vielfach durch eine präoperative Jet-Nadel-Biopsie in Verbindung mit der hochauflösenden Mamma-Sonographie das extrem seltene virile Mamma-Carcinom ausschließen und damit ein offenes, komplikationsbehaftetes Vorgehen vermeiden.

Bei ausgeprägter fettiger Komponente und moderaten Hautüberschüssen kann durch den Schrumpfungseffekt bei der oberflächlichen Fettabsaugung auch ohne Schnitte ein guter Straffungseffekt erzielt werden.

 

In Fällen mit deutlichem Hautüberschuss und Verlagerungen des Mamillen-Areolen-Komplexes unterhalb des Pectoralismuskels ( Simon III – IV ), sind  Straffungsoperationen mit Mamillenversetzung und umgekehrtem T-Schnitt indiziert. Narbensparende Straffungstechniken ( Lejour, Lassus ) mit I-Schnitt haben sich im Gegensatz zur periareolären Straffung, beim Mann wegen ungünstiger Narbenverläufe nicht bewährt.

  

Ergebnisse:

Mit diesem Vorgehen sahen wir in unserem Patientengut ( n = 142 ) insgesamt 12,6% Rezidive, Sensibilitätsstörungen bei 10,5%, Einziehungen der Mamille bei 6,3% und Nachblutungen in 3,5% der Fälle.

 

Technik der Fettabsaugung:

Nach Anzeichnung der Brustbegrenzungslinien und der Inframammärfalte erfolgt die Infiltration einer Tummeszenzlösung oder einer adrenalinhaltigen Lösung ( z.B. 1 Liter Kochsalzlsg. + 1 Amp. Suprarenin 1:1000 ) bis eine gute Gewebespannung und regionale Blutarmut erzielt ist. Dann kleine Stichinzision an der lateralen Inframammärfalte und Einbringen der 3 – 4 mm dünnen Absaugkanüle.

Die Absaugung beginnt im Zentrum der Drüse und wird in die angezeichnete Umgebung langsam erweitert, bis eine genügende zentrale Abflachung und eine gute Anpassung der Kontur erreicht ist.

Als vorteilhaft hat sich die Verwendung der neuen Generation von Vibrationskanülen ( z.B. Lipomatic ) erwiesen, die eine erhebliche Arbeitserleichterung darstellen und mit denen man auch festeres, drüsig durchsetztes Gewebe einfach bearbeiten kann. Gegebenenfalls empfiehlt es sich eine Redon-Drainage für kurze Zeit einzulegen. Eine Kompressionsbandage für 3 – 4 Wochen sollte empfohlen werden, damit die Haut gut retrahieren kann.

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