Plastische Wesseling

Facelifting: „Schönheitsmakel“ operativ verändern – Deutschlandfunk Reportage

Von Mirko Smiljanic, Deutschlandfunk

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Höckerige Nasen, kleine Brüste, faltige Gesichter – seit mehr als 20 Jahren kann Mann und Frau Schönheitsmakel operativ verändern lassen. In Deutschland lassen sich jährlich rund 700.000 Menschen behandeln. Das Facelifting wird häufig dann vorgenommen, wenn sich das Alter im Gesicht bemerkbar macht.

Mal ehrlich: Manchmal schmerzt der Blick in den Spiegel schon. Die Grübchen sind tiefer als noch vor zehn Jahren, Falten haben sich entwickelt, wo früher glatte Haus war und diese Hamsterbäckchen, furchtbar. Und weil die Schwerkraft allgegenwärtig ist, wandert die schlaffe Haut tiefer und tiefer. Die Attribute des Alters mögen manchen stören, letztlich sind sie aber das Resultat natürlicher Vorgänge. Die Spannung der Collagenfasern im Gewebe lässt mit den Jahren nach, die Haut wird welk. Wer in jungen Jahren häufig in der Sonne lag und viel raucht, fördert diesen Vorgang, ganz verhindern lässt er sich aber nicht. Aber er lässt sich mit einem Facelifting, mit einer Straffung der Gesichtshaut, optisch beeinflussen. Wer sich zu dieser Operation entschließt …

„Möchte gerne wieder frischer aussehen und möchte gerne die Uhr wieder ein bisschen zurückdrehen, sie möchten nicht verändert aussehen, einfach nur ein bisschen frischer, so wie vor ein paar Jahren auf den Fotos“, sagt Dr. Nina Schwaiger, Oberärztin auf der Abteilung für Plastische Chirurgie am Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Wesseling bei Köln. Das Facelifting sei etwas Besonderes, sagt sie, dieser Eingriff kann das Aussehen drastisch verändern.

„Man muss halt vor der Operation ausführlich mit den Patienten besprechen, was sie sich erwarten, man muss als seriöser Operateur auch die Möglichkeiten und Grenzen der Operation darstellen, und das bedeutet, dass man versucht, nicht über zu korrigieren. Letztendlich arbeitet das Alter gegen uns und die Schwerkraft, man kann den Alterungsprozess ja nicht aufhalten, sondern man dreht die Uhr nur ein bisschen zurück.“

Aufwendige Operation
Was aber – medizinisch gesehen – eine aufwendige Operation erfordert. Seit zehn Minuten liegt eine 55-jähige Patientin auf dem OP-Tisch. Minutiös hat Dr. Dirk Richter, Chefarzt der Abteilung für Plastische Chirurgie am Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Wesseling den Eingriff geplant:

„Also zunächst einmal spritzen wir hier ein Medikament ein, was die Blutungsneigung und die Schwellneigung vermindert, sodass wir es bei der Operation leichter haben die entsprechenden Schichten zu finden.“

Vorsichtig massiert er die Gesichtshaut, damit sich das Medikament gleichmäßig verteilt.

„Jetzt machen wir die Schnittführung, wir legen die ersten Schnitte, die wir zuvor im Stehen bei der Patientin angezeichnet haben. Wir orientieren uns dabei ganz genau an den Hautspalten, das heißt, die Linien, die die Falten vorgeben, weil man weiß, dass dort die Narben am unauffälligsten sind.“

Ein wichtiger Punkt, wenn nicht der wichtigste Punkt überhaupt: Was nutzt ein faltenfreies Gesicht, wenn nach dem Eingriff sichtbare Narben zurückbleiben? Aus diesem Grund schneidet Dirk Richter an möglichst unauffälligen Bereichen:

„Das ist hier oben im vorderen Haaransatz, an den Schläfen und es zieht runter vor dem Ohr entlang dieses Hügelchen vor dem Ohr, und geht um das Ohr letztendlich herum in den hinteren Haaransatz hinein.“

Mittlerweile nutzen viele Plastische Chirurgen narbensparende Techniken, bei denen der Schnitt hinter dem Ohr wegfällt – eine Methode, die noch nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet ist, aber immer häufiger angewandt wird.

„Dafür wird dann mehr in der Tiefe gearbeitet. Das Repositionieren, also das Zurückbringen des Gewebes dort, wo es mal hergekommen ist, ist dann eher das Ziel der Operation, als das pure Entfernen der Haut, wie es früher mal war, dass man so viel wie möglich Haut entfernt, das führt zu maskenhaften, zu sehr gestrafften, überkorrigierten Gesichtern, das will man heute nicht.“

Beim modernen Facelifting spielt die Haut nur eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen die Gewebeschichten unter der Haut.

„Im Gesicht ist im Fettgewebe eine spezielle Verschiebeschicht, die nennt sich SMAS, das ist eine relativ feste Struktur, die man sehr gut formen kann.“

Und die – sagt Oberärztin Nina Schwaiger – gestrafft werden muss, damit die darüber liegende Haut zumindest über einen längeren Zeitraum faltenfrei bleibt.

„Das heißt, man legt die Haut ganz locker über diese neu geformte Mittelschicht, die man nach oben oder nach hinten straffen kann, je nachdem wie sich der Alterungsprozess bei den individuellen Patienten darstellt, und dann braucht man nur ein bisschen Haut entfernen.“

Zwei Operationsmöglichkeiten
Das klingt überzeugend, allerdings darf eines nicht unerwähnt bleiben: Je tiefer der Operateur in die Gesichtshaut und das darunter liegende Gewebe eindringt, desto höher sind die Risiken.

„Dann laufen natürlich wichtige Gesichtsnerven im Bereich der Operation, einerseits sensible Narben, die für das Gefühl im Gesicht zuständig sind, andererseits motorische Nerven, die für die Mimik im Gesicht zuständig sind, und wenn so ein Nerv verletzt oder irritiert ist, was durchaus vorkommen kann, eine Irritation, bedeutet das, dass für kurze Zeit die Bewegung des Gesichts asymmetrisch sein kann im Sinne einer passageren Nervenlähmung. Erfahrungsgemäß bildet sich das Zurück, es sei denn der Nerv ist tatsächlich chirurgisch durchtrennt worden.“

Nüchtern betrachtet müssen Facelift-Patienten zwischen diese beiden Optionen wählen: Entweder sie lassen sich wie vor zehn Jahren üblich nur obere Hautschichten entfernen, haben dabei aber das Risiko eines maskenhaften Aussehens und sichtbarer Narben; oder aber sie lassen im tieferen Gewebe operieren, dann sind Narben und maskenhaftes Aussehen fast kein Problem mehr, dafür steigt aber das Risiko einer Nervenverletzung. Woraus für Dirk Richter zwingend folgt: Ein Facelift erfordert erfahrene Operateure. Und es erfordert Operateure, die auch mal „Nein“ sagen.

„Das ist relativ häufig, dass die Patienten mit Befunden kommen, die für uns eigentlich nicht nachvollziehbar sind, das ist für mich das Argument, zu sagen, nein, wenn ich eine OP nicht nachvollziehen kann, vom Leidensdruck auch nicht nachvollziehen kann, dann lehne ich sie auch ab, weil ich denke, man muss dahinter stehen hinter so einer Operation, auch als Operateur und nicht einfach Erfüllungsgehilfe für irgendwelche Wünsche sein.“

Mittlerweile ist der Eingriff fast beendet, die feinen Gefäße sind verödet:

„Und dann geht eigentlich schon die Näherei los, also innendrin die Nähte haben wir gelegt, und jetzt spielen wir ein bisschen mit der Haut, sodass sich das möglichst ohne Falten hinlegen lässt, dann werden die Hautüberschüsse entfernt, die ersten Ecknähte werde gelegt und dann wird eine ganz exakte feine Naht unter dem Mikroskop beziehungsweise unter der Lupenbrille gelegt, damit die Nähte auch wirklich fein an Ort und Stelle verheilen können.“

Und wenn alles nach Plan läuft, sie das Gesicht etwas jugendlicher aus – zumindest für ein paar Jahre.

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